Motorradreifen müssen Brems-, Beschleunigungs- und Seitenführungskräfte übertragen.
Ferner sorgen sie für Fahrkomfort und dämpfen von außen auf das Fahrzeug wirkende oder innerhalb des Fahrzeugs entstehende Störeinflüsse.
Die Wahl der Bereifung ist daher von entscheidender Wichtigkeit. Wer für sein Motorrad neue Reifen benötigt, sollte beim Kauf einige Details beachten. Der beste Motorradreifen taugt nichts, wenn er mit dem falschen Luftdruck gefahren wird. Sicherheit, Komfort und Lebensdauer hängen direkt mit dem vorgeschriebenen Luftdruck zusammen. Im Gegensatz zu einigen PKW-Reifen können Motorradreifen ohne den passenden Luftdruck nicht die Last des Fahrzeuges tragen. Daher ist es sehr wichtig, den vorgeschriebenen Luftdruck im Motorradreifen zu fahren. Nur so kann der Motorradreifen die vom Hersteller erwünschten Eigenschaften auf dem Motorrad umsetzen. Motorradexperten empfehlen daher, den Luftdruck alle zwei Wochen zu kontrollieren. Noch besser ist eine ständige Kontrolle und Überwachung des Reifendrucks um die Fahrsicherheit zu gewährleisten. Bei direkten Systemen wird aktiv mit einem elektronischen Sensor im Reifen gemessen, bei indirekten Systemen werden die Raddrehzahlschwankungen passiv erfasst. Inzwischen gibt es auch für Motorräder Reifendruckkontrollsysteme (RDKS), die vor einem Druckabfall warnen.

Freigabe / Unbedenklichkeitsbescheinigung

Eine wichtige Rolle spielt bei Motorradreifen die Reifenfreigabe. Hierbei ermitteln Motorrad- u. Reifenhersteller durch aufwendige Tests, wie gut sich deren verschiedene Reifen mit den jeweiligen Motorradmodellen kombinieren lassen. Hieraus resultieren dann Freigaben (Unbedenklichkeitsbescheinigungen) für harmonische Kombinationen durch besonders vorteilhafte Fahreigenschaften. Zusätzlich dazu ist natürlich die ebenfalls den Fahrzeugpapieren zu entnehmende, Felgengröße bei der Reifenauswahl maßgebend. Um die richtige Felgengröße zu finden, können Sie sich an Ihren alten Felgen orientieren. Die Größe sollte von außen ins Metall geprägt sein. Zudem befinden sich Angaben in der Zulassungsbescheinigung Teil I, bei den Ziffern (15.1) bis (15.3) und werden ergänzend durch die Angaben bei Ziffer 22. Achten Sie des Weiteren noch darauf, ob in Ihrer Zulassungsbescheinigung eine Reifenfabrikatsbindung vermerkt ist.

Bauweise

Motorradreifen bestehen immer aus einer Vielzahl von Komponenten und bilden mit der Felge das Rad eines Motorrades. Den Unterbau eines Reifens nennt man Karkasse, welche aus einem Wulst mit Wulstring und Kernreiter besteht. Des Weiteren besteht die Karkasse aus den radialen oder diagonalen Karkassenlagen, sowie, je nach konstruktivem Aufbau, einem Gürtel und der Binderplatte.
Michelin, als einer der bekanntesten Hersteller von Reifen, empfiehlt Radialreifen, wenn Sie bevorzugt auf kurvigen Strecken unterwegs sind, da sie sich besonders gut in Schräglagen auszeichnen. Im Gegenzug werden Diagonalreifen empfohlen, sofern Sie viel Gepäck auf die Reise mitnehmen und Ihr Motorrad von der Leistung her eher nicht auf Hochgeschwindigkeiten getrimmt ist.
Schlauchlose Reifen, mit dem Kürzel "TL" (steht für Tubeless, also schlauchlos) besitzen zusätzlich eine luftdichte Innenseele (Innenplatte). Die Innenseele verhindert das Diffundieren der Luft durch den Reifen.

Neue Motorrad Reifen einfahren

Eine wichtige Empfehlung lautet: neue Motorrad Reifen sorgfältig einzufahren . Frisch aufgezogen haben Motorradreifen noch eine glatte Oberfläche mit wenig Grip, was sich insbesondere in Schräglagen bemerkbar macht. Es besteht die Gefahr, dass Sie anfangs bei einer unvorsichtigen Fahrweise mit hohen Geschwindigkeiten, häufigen Lastwechseln und einer zu intensiven Schräglage schlicht wegrutschen und im schlimmsten Fall auf die Nase fallen. Motorradreifen entwickeln ihr volles Potenzial in Abhängigkeit Ihrer Fahrweise und der Strecke, die für diese Einfahrphase gewählt wurde, nach ca. 50-200 Kilometern. Fahren Sie daher Ihre neuen Reifen die ersten 50 km mit nur sehr gemäßigter Geschwindigkeit und geringer Schräglage, also in etwas so als ob Sie das Motorrad bei strömenden Regen und Kälte über einen Alpenpass bewegen. Vermeiden Sie starkes Beschleunigen, steigern Sie die Schräglage nach und nach und bremsen Sie vorsichtig. Nach einer Einfahrzeit von ca. 200 Kilometern, erreicht der Reifen durch das Erwärmen und Abkühlen als Resultat des Abriebs (Reibung) seine endgültige Gefügestruktur. Bei tiefen Außentemperaturen kann sich die Einfahrzeit verlängern.

Überprüfung des Luftdrucks

Wie bereits erwähnt, weisen Reifen bestimmte Eigenschaften auf, die sich auf das Fahrverhalten und die Sicherheit auswirken. Ein wichtiges Kriterium ist hierbei der Reifendruck. Er hat maßgeblichen Einfluss auf die Bremswirkung, den Bremsweg und den Kraftstoffverbrauch. Um seinen Reifen stets in einwandfreiem Zustand zu halten, ist es notwendig in regelmäßigen Abständen den Luftdruck zu prüfen.

Wann ist ein Motorradreifen abgefahren?

Wir empfehlen Ihnen daher stets Kenntnisse über die aktuelle Profiltiefe zu haben. Ausgehend von einer Straßenmaschine ist eine gesetzlich Mindestprofiltiefe von 1,6 mm vorgeschrieben. Bei Leichtkrafträdern ist sie auf 1 mm festgelegt. In beiden Fällen handelt es sich um die absolute Verschleißgrenze. Wird diese unterschritten hat das im Fall der Fälle auch Auswirkungen auf Ihren Versicherungsschutz. Spätestens ab 2 mm sollte Schluss sein und ein Reifenwechsel vorgenommen werden, damit der Grip und das Fahrverhalten Ihres Bikes erhalten bleibt. Hinzu kommt der Sicherheitsfaktor auf nassem Untergrund.

Die Profiltiefe messen Sie im mittleren Bereich der Hauptlauffläche in den breiten Rillen. Eine gute Hilfe ist die 1-Euro-Münze mit ihrem 3 Millimeter-Rand im Goldfarbton. Verschwindet er komplett im Profil, ist so weit alles okay.
Wird er sichtbar, ist es an der Zeit, neue Motorradreifen zu kaufen.

Tipp: Lieben Sie kurvige Strecken, dann achten Sie zusätzlich auf den Zustand der seitlichen Laufflächen.