Wissenswertes rund um Motoröle

Die Aufgaben eines Motoröls sind immer dieselben, denn jeder Verbrennungsmotor benötigt ein gutes Öl zur Schmierung der beweglichen Teile. In früheren Jahren (bzw. auch heute noch bei älteren Motoren) kamen meistens noch rein mineralische Öle zum Einsatz, sogenannte Einbereichsöle ohne weitere Zusätze. Diese haben allerdings den großen Nachteil, dass sie unter anderem zur Schlammbildung neigen. Deshalb sind bei Einbereichsölen kürzere Ölwechselintervalle als beispielsweise bei teil- oder vollsynthetischen Motorölen erforderlich.
Dennoch kann je nach Einsatzzweck ein gutes Einbereichsöl völlig ausreichend sein, z.B. wenn Sie eine Knuckel-/ Pan-/ Shovelhead oder eine noch frühere Motorvariante Ihr Eigen nennen. Generell lässt sich jedoch sagen dass heute Mehrbereichsöle die Regel sind.

Unabhängig der Zusammensetzung muss Motoröl in einer bestimmten Temperaturspanne immer ausreichende Schmiereigenschaften aufweisen, Kräfte übertragen, kühlen, abdichten und dabei möglichst rauchfrei Verbrennen. Nebenbei soll das Öl die bei der Verbrennung anfallenden ölunlöslichen Rückstände bis zum nächsten Ölwechsel in der Schwebe halten. Es muss die Eigenschaft besitzen Wasser aufnehmen zu können und dabei noch vor Korrosion schützen. Es darf nur wenig altern, nicht schäumen und muss bei allen Temperaturen fließfähig bleiben.
Alle diese Eigenschaften schafft so ein Basisöl nur mithilfe von Additiven. Additive sind Wirkstoffe aus der Chemieküche, die bei hoch addiviertem Motoröl bis zu 25 Prozent ausmachen, aus rund 10 bis 15 verschiedenen Stoffen bestehen und in maßgeschneiderten Additivpaketen zusammengefasst werden. Die Auswahl der Additivpakete ist maßgeblich für die großen Preisunterschiede verantwortlich. Hat man es mit einer altbekannten Formulierung "von der Stange" zu tun, oder wurde jede Menge Know-how und Zeit in eine Neuentwicklung gesteckt?
Für den späteren Verkaufspreis sind das recht entscheidende Fragen.
Die Preisspanne pro Liter reicht hier von ca. 5.- Euro und kann bis ca. 25.-Euro ansteigen, wobei die Viskosität SAE 10W-40 die von Motorradherstellern am häufigsten empfohlene Kategorie ist.
Da wir unseren Kunden gegenüber eine Verantwortung tragen, bieten wir von Motoshop-Weber Ihnen derartige, verbilligte Öle nicht an. Unsere Öle beginnen bei etwas unter 10 Euro, und warten mit einer Qualität auf die wir auch bedingungslos vertreten können.

Man kann sich das Thema durchaus zur Glaubenssache machen.
Mit gerade missionarischem Eifer gehen einige Motorradfahrer die Sache an, wenn das Benzingespräch aufs Thema Öl kommt.
Während die einen darauf beharren das es unter allen Umständen nur die eine ganz bestimmte Marke sein darf, und die auch nur vollsynthetisch, frei nach dem Motto „das Beste ist gerade gut genug“ schwören wieder andere Stein und Bein, dass ihr Motor auch mit dem billigsten Baumarkt-Öl eine sechsstellige Laufleistung erreicht hat und ein Literpreis über drei Euro pure Geldverschwendung sei.
Doch bevor man sich auf Diskussionen mit solchen Schmierstoff-Hardlinern einlässt, hilft es womöglich, sich ein klein wenig Grundlagenwissen anzueignen und sich die ganze Materie rund ums Öl etwas näher zu bringen.
Vielleicht wird bei der Gelegenheit sogar schon das ein oder andere Missverständnis oder ursprüngliche Vorurteil für alle Zeiten verbannt.
Zunächst bietet sich an, sich die Frage zustellen was den eigentlich Öl überhaupt ist?
Ganz grob und vereinfacht gesagt, tote Tiere.
Genauer gesagt, abgestorbene Kleinstlebewesen, die schon lange vor jeglicher menschlicher Zivilisation ihr zeitliches gesegnet haben. Chemiker sehen die Sache noch etwas einfacher. Für sie besteht Erdöl fast ausschließlich aus den Elementen Wasserstoff und Kohlenstoff.
Damit aus den Kohlenstoffverbindungen Motoröl wird, muss das Rohöl in der Raffinerie zerlegt, gereinigt und weiterverarbeitet werden. Womit wir bereits an dem Punkt wären, um mit dem ersten Missverständnis aufzuräumen:
Auch das vollsynthetischste aller Vollsynthetiköle hat als Basis ganz schnödes Erdöl. Und damit verhält es sich wie mit Beton:
Es kommt darauf an, was man daraus macht. Für die vielfältigen Einsatzzwecke der Öle entwickeln Mineralölkonzerne aus den Kohlenwasserstoffverbindungen (also Basisölen) für die immer leistungsfähigeren Verbrennungsmotoren ständig neue und eigene Verbindungen. Diese in ihrer Molekularstruktur maßgeschneiderten Stoffe nennen sich Synthetiköle.
Die Mischung von synthetisch hergestellten Ölen mit mineralischen Grundölen ergibt ein teilsynthetisches Öl.
Wichtig hierbei ist zu wissen das die ganzen tollen Begriffe rund ums veredelte Öl (synthetisch, vollsynthetisch, teilsynthetisch, polysynthetisch, synthetic-based, HC-Synthese und wie sie alle benannt werden) weder genormt noch normfähig sind, also reine Marketing-Aussagen sind – das sollte man wissen.
Ein echter Hinweis auf die wirkliche Zusammensetzung eines Öls ist damit nicht gegeben.

Worauf kommt es nun also beim Motoröl an?
Die vom Motorradhersteller vorgeschriebene Viskosität ist immer das erste und alternativlose Auswahlkriterium.
Motoröle sind in unterschiedliche SAE-Klassen eingeteilt, Mehrbereichsöl erkennt man am „W“ für wintertauglich in der Bezeichnung. Die Bezeichnung der Einbereichsöle beschränkt sich auf nur eine Zahl, der „Grade“ oder „SAE“ vorangestellt ist.
Üblich sind heutzutage Mehrbereichsöle wie z.B. 10W-40, 15W-40, 20W-40 usw. Die Vollständige Bezeichnung eines Mehrbereichsöls lautet somit beispielsweise SAE 10W-40, die eines Einbereichsöls beispielsweise Grade 50 oder SAE 60. Die Bedienungsanleitung Ihrer Harley Davidson gibt darüber Auskunft, welche Öl-Spezifikation der Hersteller für den betreffenden Motor vorschreibt. Die Zahl vor dem "W" gibt die Viskosität bei Kälte bzw. Minusgraden an und ist für den Kaltstart und Kaltlauf sehr wichtig.
Je niedriger der Wert, desto schneller fließt das Öl bei tiefen Temperaturen zu den Schmierstellen, also umso dünnflüssiger ist das Öl und verteilt sich dementsprechend bei einem Kaltstart schneller und schützt den Motor vor Verschleiß.

kleinere Zahl => dünnflüssiger
größere Zahl => zähflüssiger

Die zweite Zahl, also hinter dem „W“ z.B. 40 oder 50, bezieht sich auf die Fließfähigkeit bei Hitze.
Hier gilt, je niedriger, desto leichter läuft der Motor, jedoch umso höher dieser Wert ist, desto stärker ist der Schmierfilm belastbar.

Nach der Viskosität sollte man auf die API-Klassifikation achten.
API steht für das "American Petroleum Institute", das Motorenöle nach Buchstabenkombinationen klassifiziert. Der erste Buchstabe muss bei Verwendung des Motoröls für Ottomotoren immer ein "S" sein, der nachfolgende, zweite Buchstabe sollte mindestens ein "G" sein. Je höher dieser zweite Buchstabe im Alphabet ist umso anspruchsvoller die Prüfungen an das Öl. Die SG-Klassifikation wurde 1989 eingeführt, mittlerweile ist man bei SN angelangt, was aber nicht zwangsläufig bedeuten muss, dass ein SG-Öl fürs Motorrad schlechter als ein SN-Öl sein muss. Möglicherweise hat sich der Ölanbieter nur den (teuren) Prüfaufwand geschenkt, um sein Öl zu "aktualisieren".
Die API-Anforderungen sind in erster Linie auf die Ansprüche von PKW-Motoren ausgelegt. Einen ersten Hinweis auf die Qualität gibt die API-Klassifikation jedoch durchaus. Für Motorradfahrer noch wichtiger ist aber die (auf der API-Einteilung aufbauende) -JASO-Klassifikation. JASO steht für "Japan Automobile Standards Organization", und auch wenn der Name etwas anderes vermuten lässt, geht es dabei ganz konkret um die Ansprüche von Motorradmotoren, wenn JASO MA (oder MA1 bzw. MA2) auf der Öldose steht.
Dann ist nämlich sichergestellt, dass das Öl mit den in Motorradmotoren üblichen Ölbadkupplungen klarkommt.
Die JASO MA-Kennzeichnung ist die einzige existierende Spezifikation für Viertakt-Motorrad-Motorenöle und sollte nach der korrekten Viskositätsangabe das wichtigste Öleinkaufkriterium sein.

Doch wo liegen nun die Unterschiede?
Die Aufschlüsselung der Additivzusammensetzung ist leider nicht ganz so leicht zu interpretieren, wie man als Chemie-Laie vermuten kann. "Viel hilft viel", gilt nicht wirklich, aber auch der Umkehrschluss ist nicht zulässig.
Sehr grob vereinfacht kann man sagen, das Kalzium, Magnesium und Bor überwiegend als Detergentien und Dispersantien zum Einsatz kommen, sich also um das Sauberhalten geschmierter Oberflächen und das in Schwebe-Halten von Schmutzpartikeln kümmern.
Zink, Phosphor und Schwefel dienen wiederum dem Verschleißschutz.
Die Krux an der Sache: Alle Additivbestandteile stehen miteinander in Wechselwirkung.

Vollsynthetische Motoröle haben zwar sehr viele Vorteile, doch können sie nicht in allen Fahrzeugen verwendet werden.
Insbesondere bei etwas älteren Motoren müssen häufig noch teilsynthetische Motoröle benutzt werden. Das liegt daran, dass die älteren Motoren noch etwas anders gefertigt worden sind. Die Toleranzen der einzelnen Motorkomponenten sind oftmals größer als bei neuen Motoren. Deshalb wird ein Motoröl benötigt, das eine andere molekulare Struktur aufweist. Teilsynthetische Motoröle stellen einen Kompromiss zwischen rein mineralischen Ölen und vollsynthetischen Ölen dar. Sie basieren auf Mineralöl. Den Ölen wird dann je nach Verwendungszweck ein gewisser Anteil von vollsynthetischen Ölen beigemischt. Durch die Beimischung der vollsynthetischen Öle lassen sich ebenfalls einige wichtige Eigenschaften, wie beispielsweise die Schmiereigenschaft und die Temperaturbeständigkeit, verbessern.
Der Vorteil von teilsynthetischen Ölen ist, dass sie deutlich günstiger sind als vollsynthetische Motoröle.
Auch Vollsynthetische Öle werden aus einer Synthese von Kohlenstoffmonoxid und Wasserstoff hergestellt. Diese Synthese bietet eine ideale Grundlage, um noch verschiedene Additive beizumischen. Dadurch lässt sich die Eigenschaft des vollsynthetischen Motorenöls exakt einstellen. Die Folge davon sind deutlich verbesserte Schmiereigenschaften auch unter einer hohen thermischen Belastung.
Ein weiterer großer Vorteil ist, dass derartige Öle völlig neue Viskositätsklassen erlauben. Unter der Viskosität wird wie schon weiter oben angesprochen die Zähflüssigkeit vom Öl verstanden.
Mit rein mineralischen Motorölen wäre niemals eine Viskosität von unter 10 möglich. Bei den vollsynthetischen Ölen gibt es aber auch Mehrbereichs-Öle mit Viskositätsklassen von beispielsweise 0W-40. In modernen Hochleistungsmotoren sollte immer nur ein vollsynthetisches Motoröl verwendet werden (auf Herstellerangaben achten).
Das Öl ist zwar etwas teurer, aber dafür ist es auch langlebiger, sodass der Abstand zwischen den Ölwechseln sehr viel größer sein kann.

Wie Sie vielleicht schon selbst festgestellt haben, könnte man in das Thema rund um Motoröle, deren Zusammensetzung und daraus resultierenden Eigenschaften noch sehr viel tiefer einsteigen und eine wissenschaftliche Studienarbeit daraus erstellen.
Wir von Motoshop-Weber jedenfalls empfehlen Ihnen grundsätzlich, halten Sie sich an die vom Hersteller vorgegebene Viskositätsangabe. Ob dieses Motoröl dann von Harley Davidson, Putoline, Spectro, Castrol, Liquid Moly oder von anderen Herstellern stammt ist dann nur noch zweitrangig.

Sie möchten einen Ölwechsel selbst durchführen, trauen sich aber irgendwie immer noch nicht so richtig an dieses Thema ran? 
Wir empfehlen Ihnen unsere Reparaturanleitung zur Motorrad-Pflege, Wartung und Reparatur mit sehr vielen Ratschlägen. Das absolut notwendige Buch für alle, die ihr Motorrads selbst warten und pflegen.

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